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Früheres Unger-Möbelhaus in Nordenstadt
abgebrannt / Jugendliche der fahrlässigen Brandstiftung verdächtigt
Veröffentlicht im
"Wiesbadener Kurier" am 28. März 2002
Wiesbaden.
Durch fahrlässige Brandstiftung wurde nach Angaben der Polizei in der
Nacht zum Mittwoch das ehemalige Möbelhaus Unger in Nordenstadt in Schutt
und Asche gelegt. Der Brandschaden wird auf mehrere Hunderttausend Euro
geschätzt.
Vier Jugendliche aus Nordenstadt im Alter zwischen 16 und 19 Jahren
sind der Brandstiftung verdächtig. Sie hatten in ihrer Vernehmung
geschildert, dass einer von ihnen mit Kartons ein Feuerchen entfacht hätte.
Ihnen sei kalt gewesen, sie hätten sich ein bisschen aufgewärmt, sollen
drei der Vier gegenüber der Polizei erklärt haben. Das Feuer wollen sie
ausgetreten haben.
Ein holländischer Lkw-Fahrer, der mit Ladearbeiten beschäftigt war,
hatte beobachtet, dass Jugendliche durch ein bereits eingeschlagenes
Fenster in die Halle einstiegen. Der Mann informierte die Polizei. Eine
Streife kontrollierte wenig später die vier Jugendlichen, die bereits
wieder die Halle verlassen hatten. Sie räumten auch ein, in der Halle
gewesen zu sein. Kurz darauf fiel laut Polizei einem der Beamten
Brandgeruch auf, beim Blick in die 60 mal 100 Meter große Halle brannten
dort bereits Kartonagen und Gerümpel lichterloh.
Gegen 0.45 ging die Brandmeldung bei der Feuerwehr ein. Der Löscheinsatz
war laut Feuerwehr nur noch von außen möglich, es bestand
Einsturzgefahr. Das Feuer entwickelte sich rasend schnell, schildert
Wiesbadens Feuerchef Harald Hagen. Die Wärmedämmung des so genannten
Stahltrapez-Blechdachs bestand aus Styropor, die Abdichtung aus
Dachpappenbahnen. Eine solche Kombination ist heute nicht mehr zugelassen.
„Das brennt hervorragend“, schildert Hagen. „Selbst kleine Brände können
sehr schnell durchzünden“. Bereits bei geringen Temperaturen löst sich
das Styropor, bei der zunehmenden Brandhitze zünden die Gase. „Dann
geht es rasend schnell“, sagt Hagen.
Zur Unterstützung der Wiesbadener Wehr waren auch Feuerwehrleute aus dem
Main-Taunus-Kreis und dem Rheingau-Taunus-Kreis im Einsatz. Messfahrzeuge
der Berufsfeuerwehren Wiesbaden und Frankfurt sowie der Werkfeuerwehr
Infraserv kontrollierten eine mögliche Gefährdung durch die
Rauchgaswolke. Laut Feuerwehr ergaben die Messungen „mit den Mitteln der
Feuerwehr keine unmittelbare Gefährdung der Bevölkerung” in den
umliegenden Stadtteilen und Ortschaften. Die Messergebnisse wurden zudem
in einem baden-württembergischen Labor, das rund um die Uhr erreichbar
ist, von Medizinern sicherheitshalber auf mögliche giftige Verbindungen
überprüft. Die Schadensermittlung gestaltet sich deswegen schwierig und
widersprüchlich, weil über die weitere Verwendung der seit langem leer
stehenden Halle im Daimlerring noch nicht entschieden ist. Besitzer soll
ein Architektenbüro in Saarbrücken sein. Den hinteren Teil der Halle
hatte ein Pächter aus dem Rhein-Main-Gebiet gemietet. Der Wert des Gebäudes
spielt eine Rolle, wenn es um Haftung und Schadensersatz geht. Der Schaden
könnte dann um ein Vielfaches höher angesetzt werden, wenn die Halle
nicht als Abbruchgebäude, sondern als zum Verkauf anstehende Immobilie
bewertet wird.
Das Möbelhaus war im Sommer 1999 geschlossen worden. Es war das letzte
noch in Wiesbaden verbliebene Unger-Haus. Die einstmals führende Möbelkette
hatte auch ein rigider „Schrumpfungsprozess” mit der Schließung
mehrerer Häuser nicht vor dem Konkurs bewahrt. Rund 100 Beschäftigte
hatten in Nordenstadt ihren Arbeitsplatz verloren.
Vor gut vier Jahren, am 5. März 1998, hatte ein Großbrand bei Unger im
Daimlerring Schaden in Höhe von fünf Millionen Mark angerichtet. Allein
vier Millionen Mark wurden für verbrannte, verrußte oder aufgequollene Möbel
und Einrichtungen veranschlagt. Den Brand ausgelöst hatten damals Schweißarbeiten
einer Dachdeckerfirma.
Wolfgang Degen
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