Pressearchiv
der FF Wiesbaden-Biebrich
   
In der Innenstadt hieß es "Land unter"
 
Unwetter am Samstagabend sorgte für Großeinsatz der Feuerwehr / Keine Verletzten

Veröffentlicht im "Wiesbadener Tagblatt" am 09. August 2004

Es war Punkt 19.51 Uhr, als in den Wiesbadener Stadtteilen die Sirenen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren aus ihren Samstagabend-Aktivitäten rissen: Unwetter- Alarm. Bis gestern Mittag wurden mehr als 400 Einsätze gezählt. Doch bis auf hohe Sachschäden verlief das nur wenige Minuten dauernde Unwetter glimpflich: Es gab keine Verletzten.

Das Unwetter kam nahezu überraschend. Zwar hatte der Leitstand der Wiesbadener Berufsfeuerwehr den Funk der Kollegen aus dem Main-Taunus-Kreis mitgehört und so frühzeitig eine Vorstellung davon bekommen, welches Wetter sich auf Wiesbaden zubewegte. Doch selbst als die Gewitter sich bereits mit Macht über der Innenstadt entluden, sei beim Deutschen-Wetterdienst (DWD) noch keine Unwetter-Warnung für Wiesbaden herausgegeben worden.

"Wir hätten unsere Leute zehn bis 15 Minuten aus ihrer Freizeit zum erwarteten Einsatz geholt", sagte gestern Wolfgang Preißler vom Lagedienst der Berufsfeuerwehr. Bei einem Brand etwa durch Blitzeinschlag hätten diese 15 Minuten möglicherweise wichtig sein können. Doch derart gravierende Vorkommnisse blieben aus. Preißler: "So kamen wir nur 15 Minuten später zum Kellerauspumpen."

Beim Wetterdienst selbst hieß es gestern: "Keine spektakulären Niederschlagswerte für Wiesbaden." In Biebrich etwa seien nur zwei Liter pro Quadratmeter gemessen worden. Das heiße gleichwohl nicht, dass es nicht "punktuell" starke Gewitter gegeben haben kann. Es habe sich allenfalls um ein "typisches, wenn auch kräftiges Sommergewitter" gehandelt.

Schwerstarbeit mussten die 65 Männer der Berufsfeuerwehr und ihre 320 Kollegen von allen Freiwilligen Feuerwehren vor allem im Kurviertel leisten. Vom Geisberg schossen Geröll und ausgespülte Pflastersteine auf die Taunusstraße, wo das Wasser zeitweise kniehoch stand. Hier gab es kaum ein Haus, in dem das Wasser nicht in die Keller lief. Die Parkstreifen am Geisberg wurden ebenso unterspült wie Bereiche der hinteren Fichtestraße und etliche Kurpark-Wege im Bereich Sonnenberg. Anrufe gingen wegen voll gelaufener Keller oder Aufzugschächte ein, auch das Bundeskriminalamt war betroffen.

Die Aarstraße nach Taunusstein (B 54) musste mehrere Stunden wegen umgestürzter Bäume gesperrt werden, am Nordfriedhof riss ein Baum Teile der Außenmauer um. 550 Notrufe zählte die Polizei bis 21.45 Uhr, 300 Einsätze verzeichnete die Feuerwehr in der Nacht, am Sonntagvormittag kamen noch mehr als 100 hinzu. Preißler: "Viele haben dann wohl erst die Schäden bemerkt." Eine dringende Warnung gab die Polizei gestern für Spaziergänger heraus, den Stadtwald in der kommenden Woche zu meiden. Zahlreiche Bäume drohen noch umzufallen.

An anderen Stadtteilen zog das Wetter vorbei. So konnten die Freiwilligen Feuerwehren aus Frauenstein und den AKK-Vororten in der Innenstadt aushelfen. Ein BMW-Fahrer in der Bärenstraße fand gestern eine Nachricht der Freiwilligen Feuerwehr Kloppenheim an seinem verbeulten Auto: "Auf diesem Fahrzeug lag ein Ast."

Auch im westlichen Untertaunus gingen heftige Gewitterschauer nieder. Sie richteten allerdings offenbar keine größeren Schäden an, wie die Polizeistation Bad Schwalbach feststellte. Bei Heidenrod-Nauroth ergossen sich aus einem Wirtschaftsweg Schotter und Schlamm auf eine Straße, die Straßenmeisterei besorgte umgehend die Beseitigung der Fahrbahnverschmutzung.

Das Idsteiner Land wurde hingegen weitestgehend verschont. "Keine Unwettereinsätze", hieß es zum Beispiel von der Idsteiner Polizei.

Manfred Knispel
   
     
Zur Homepage der Freiwilligen Feuerwehr Wiesbaden-Biebrich