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der FF Wiesbaden-Biebrich
   
Löschdienst als Pflicht
 
Feuerwehr führte historische Schauübung auf

Veröffentlicht im "Wiesbadener Kurier" am 26. November 2001

Die Freiwillige Feuerwehr Biebrich kann nicht nur löschen, sie kann auch schauspielern. Das bewies sie bei einer historischen Schauübung, die den Abschluss der 150-Jahr-Feierlichkeiten bildete. In der gutbesetzten Turnhalle am Rathenauplatz erinnerte die Feuerwehr in zwei kleinen Szenen an die Anfänge der organisierten Feuerbekämpfung. Das Programm wurde musikalisch ummalt vom historischen Spielmannszug Mainz-Kostheim.

Wehrführer Günter Becker erinnerte an die Anfänge des Feuerwehrwesens. Feuersbrünste waren wegen ihrer verheerenden Wirkung außerordentlich gefürchtet. Wasser war oft Mangelware. Die Bürger wurden damals zum Löschdienst verpflichtet. Für Biebrich galt das „Mosbacher und Biebricher Protokollbuch“ von 1682, das den Löschdienst vorschrieb. Eher widerwillig kamen die Bürger ihrer Pflicht nach. Die Bürger hätten die brennenden Häuser lieber gesprengt oder mit Einreißhaken zum Einsturz gebracht.

Die Situation in der Zeit vor der organisierten Wehr stellten die Biebricher in ihrer ersten Szene dar, die 1846 spielt. Auf dem nachgebauten Marktplatz mit Brunnen herrscht reges Treiben. Für Belustigung im Publikum sorgen zwei Betrunkene, die von einer Gemeinderatssitzung kommen. Plötzlich quillt Nebel aus einem Haus. Vater, Mutter und Kind rennen in stilechten Schlafanzügen auf die Straße. Die Bürger versuchen, das Feuer mit Wasser zu löschen, das sie mit Ledereimern aus dem Brunnen holen. Und als aus dem noch brennenden Haus Hilferufe kommen, rücken zwei Sanitäter mit historischer Krankentrage an, denn der Großvater wurde im Haus vergessen.

In der zweiten Szene lief das Löschen des Feuers organisierter ab. Grossbrände in Städten rütteln das Bewusstsein von Bevölkerung und Politikern wach. 1842 vernichtete ein Brand in Hamburg zwei Drittel der Innenstadt. Mit der deutschen Revolution 1848 hatte sich eine politische Wende vollzogen, die Bürger strebten nach mehr Selbstständigkeit.

Das führte auch in Biebrich zur Gründung von Turn- und Gesangvereinen. Aus dem Biebricher Turnverein ging schließlich die Freiwillige Feuerwehr hervor. Die Idee dazu hatte Friedrich Cron. Das Gemeinderatsmitglied entwarf eine Feuerlöschordnung. Diese trat in Biebrich 1851 in Kraft und basierte auf einem organisierten Freiwilligensystem. Unter dem Motto „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr“, formierten sich damals 300 Bürger zur FF Biebrich. „Eine Zahl von wir heute nur träumen können“, so Becker.

Die zweite Szene der Schauübung spielte im 25. Jubiläumsjahr, also 1876, der Biebricher Feuerwehr. Diesmal rückt nach einem Hausbrand die organisierte Löschtruppe an. Dem Mangel an Löschgeräten und geübten Mannschaften war ein Ende gesetzt worden. Durch viele Details machten die Biebricher ihr Schauspiel zu etwas Besonderem: So fährt ein Feuerwehrmann auf einem Hochrad durch die Szene. Eine Frau trägt ihrem feuerlöschenden Mann den vergessenen Helm hinterher und das dargestellte Haus auf der Bühne hat die Schicksalsnummer 112. Die Schauspieler, die unter der Regie von Georg Sack, Leiter des Heimatmuseums, agierten, waren Mitglieder oder Freunde der Freiwilligen Feuerwehr.

Sack übernahm neben der Leitung der Schauübung auch den Geschichtsteil in der Festschrift. Hier beschreibt er die Entwicklung der Biebricher Feuerwehr über die vergangenen 150 Jahre und was sich alles geändert hat. Beispiel Alarm: In der Feuerlöschordnung von 1851 wurden Bürger dazu aufgefordert, mit dem lauten Rufen von „Feuer -Feuer“ auf die Gefahr hinzuweisen. 1892 wurde der Bezirksalarm eingeführt. 1928 arbeitete man in Biebrich mit der Alarmweckerlinie, in der 25 Biebricher angeschlossen waren. Der laute Alarm auf der Straße wurde von einem stillen Alarm in den Wohnungen der einzelnen Feuerwehrmänner abgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Sirenen eingeführt. Außerdem wurden Löschfahrzeuge mit UKW-Sende- und Empfangsgeräten ausgestattet. Seit 1975 vollzieht sich der Alarm bei einem Brand in Biebrich wieder im Stillen: Funkmeldeempfänger benachrichtigen die Feuerwehrleute im Falle eines Brandes.

Katja Christ

   
     
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